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Heiliges Jahr zeigt in Bamberg Spuren

Domkapitular Martin Emge
Ein Bericht von Marion Krüger-Hundrup
Datum:
Veröffentlicht: 26.8.25
Von:
HA Seelsorge

Heiliges Jahr zeigt in Bamberg Spuren

Zwischenbilanz: In Zeiten der Krisen verströmen die vielfältigen Aktionen im Jubeljahr Hoffnung. So zum Beispiel die 300 „Orte der Hoffnung“ von der St. Anna-Kirche bis zum Troppauplatz.

Bamberg - Martin Emge ist positiv überrascht, wie gut das römische Themenjahr 2025 von den Bamberger Pfarreien angenommen wird. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat. Das noch von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr 2025 rufe Resonanz hervor und schenke in Zeiten der Krisen Mut zur Hoffnung: „Jesus Christus ist der Grund dieser Hoffnung!“ betont Domkapitular Emge, Kopf und Herz aller Aktivitäten zum Jubeljahr im Erzbistum Bamberg. Das Thema Hoffnung „liegt in der Luft, und viele im Heiligen Jahr entwickelten Ideen können nachwirken“.

Im Gespräch mit unserer Redaktion zieht Martin Emge eine Zwischenbilanz des Jubeljahres, das der Papst zu Weihnachten für die Weltkirche in Rom eröffnete. Für die Erzdiözese Bamberg gab Erzbischof Herwig Gössl einige Tage danach das Startsignal. Großer Andrang herrschte bei der Statio in der St. Martins-Kirche, lang war der Prozessionszug zum vollbesetzten Dom, wo Gössl mit Konzelebranten aus dem Metropolitankapitel das Pontifikalamt feierte.

„Pilger der Hoffnung“ lautet das Motto dieses nur alle 25 Jahre stattfindenden Heiligen Jahres. Der Erzbischof griff in seiner Predigt das Leitwort auf: „Pilgern ist in!“ Es führe zur Erkenntnis über sich selbst und zu Gott. Denn gerade auf einem Pilgerweg könne sich manches klären, „auch die Erfahrung mit Gott“, versicherte Gössl. Dabei sei Entschleunigung, die das Pilgern auszeichne, die Voraussetzung dafür, dass diese Erfahrung und Erinnerungen aufsteigen würden: „Alles kann zum Vorschein kommen.“ So sei ein Pilgerweg kein Spaziergang, sondern könne körperlich und seelisch anstrengend werden, so der Erzbischof.

Mut zum ersten Schritt machend fügte er hinzu, dass so ein Pilgerweg ein „Weg der Hoffnung werden kann durch die Begegnung mit der reinen Liebe Jesu“: „Christus geht mit uns auf dem Pilgerweg, er ist der Grund unserer Hoffnung!“ Sichtbares Zeichen dieses Wegbegleiters war während der Eröffnungsfeierlichkeiten das schlichte Holzkreuz, das in der Werkstatt der Bamberger Lebenshilfe geschaffen und von Ministranten im Pilgerzug zum Dom gebracht wurde. Dieses Holzkreuz der Lebenshilfe blieb im Dom und lädt 2025 zur Betrachtung und zum Gebet ein.

Dass Pilgern tatsächlich so „in“ ist, wie der Erzbischof darlegte, beweisen die ungezählten Wallfahrer, die sich in diesem Jahr auf den Weg machen. Seelsorgeamtsleiter Martin Emge listet die bekannten Orte wie Vierzehnheiligen, Gößweinstein oder Marienweiher auf, zu denen Fußgänger, Radfahrer, Buspassagiere aufbrechen. Aber auch die eher kleinen Wallfahrtskirchen und -kapellen, die das Frankenland wie eine Reihe Perlen auf der Schnur durchziehen, sind hoch frequentierte Stätten im Heiligen Jahr. Natürlich fehlte bisher auch nicht die Diözesanwallfahrt nach Rom mit dem Erzbischof, dem sich Hunderte Bamberger anschlossen: „ein erlebbarer Höhepunkt im Heiligen Jahr“, so Emge.

Er ist berührt von vielen Initiativen, die das Thema und Motto des Jahres aufgreifen und von Zuversicht erzählen. Bisher konnte der Domkapitular allein 300 „Orte der Hoffnung“ mit Urkunde und Mottoschild auszeichnen. Emge nennt diese Orte „Ankerplätze für Leib und Seele. Oasen zum Verweilen. Heilsame Orte, an denen mir jemand zuhört und aussprechen lässt.“ Orte, die wegen ihrer konkreten Hilfsangebote für Menschen existenziell notwendig und aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Orte, an denen es pflegende und helfende Hände gibt. Aber auch Orte, „an denen ich Gott erfahren und die Kraft des Gebetes spüren kann.“

Für die Auszeichnung als „Ort der Hoffnung“ läuft ein Bewerbungsverfahren. Erfolgreich haben es bisher einige Kirchen wie in der Stadt Bamberg St. Anna und St. Otto oder Kapellen geschafft, Caritas-Beratungsstellen wie die in St. Josef/Hain für geflüchtete Menschen, Begegnungsstätten, Büchereien wie die Stadtbücherei in der Oberen Königstraße, Hauskapellen von Kliniken und Gefängnissen als geschützte Räume, Kindertagesstätten, Quartierbüros wie das im Ulanenpark (Hans-Schütz-Straße 3) und mehr. Nicht nur rein kirchliche Orte sind als Orte der Hoffnung anerkannt: So ist zum Beispiel der Troppauplatz im Bamberger Osten ein beliebter Treff- und Anziehungspunkt für die Bevölkerung. Dort kommen dank gastronomischer Angebote der Bäckerei, die mit der Lebenshilfe zusammenarbeitet, und des Eiscafés Anwohner mit verschiedenen kulturellen und sozialen Hintergründen zusammen. Auch Studierende der gegenüberliegenden Universität mischen sich gern unter Alteingesessene. Der von der Heidelsteigschule gestaltete Trinkwasserbrunnen, der Spielplatz und die Grünfläche werden zum Verweilen, Picknicken und Fußballspielen genutzt. „Dort gibt es in vielen Bereichen gelebte Integration, ein wahrer Ort der Hoffnung“, freut sich Domkapitular Emge.

Einen Extra-Aufkleber „Pilgerin der Hoffnung“ bekamen jeweils 50 mobile Frauen vom Pflegedienst der Caritas: „Sie bringen Hoffnung ins Haus!“ Emge erzählt weiter von Kunstprojekten im Heiligen Jahr, von Projekten für die Umwelt wie die derzeitige Grüne Oase auf dem Domkranz: „ein Hoffnungszeichen für die Schöpfung!“

Und dann gibt es beispielsweise noch das „Kino der Hoffnung“ im Bamberger Lichtspielkino (Untere Königstraße 34) in Kooperation mit der KEB, KAB und der Medienbildung im Erzbistum: Seit April werden bei kostenfreiem Eintritt Filme gezeigt, die unter einem eigenen Thema stehen und Geschichten von Hoffnung und Neuanfang erzählen. Im Anschluss an die Filme findet ein moderiertes Gespräch statt. Die nächsten Filme werden am 6. Oktober, 3. November und 1. Dezember jeweils um 18.15 Uhr laufen.

Selbst „WhatsApp-Gottesdienste“ wurden entwickelt, die Gruppen mit hunderten jungen Leuten teilen (z.B. https:/t1p.de/Gottesdienst-at-home aus Bad Windsheim) „Alles hat einen Eigenwert und verbindet“, sagt Martin Emge, der mit seinem Team unermüdlich den Aktivitäten im Heiligen Jahr auf der Spur ist. Und die Interessierten mit Info-Material und einschlägigen Artikeln mit Logo versorgt.

Am 28. Dezember wird das Heilige Jahr in Bamberg seinen offiziellen Abschluss finden: „als Danksagung für das Leben, das in diesem Jahr geweckt wurde“. In Rom kommen die Feierlichkeiten mit der Schließung der Heiligen Pforte im Petersdom am 6. Januar 2026 zum Ende. Doch für Martin Emge sind diese Zeremonien ein Doppelpunkt. „Ich will genauer hinschauen, was aufgebrochen ist, und welche Wachstumspotenziale in die Zukunft reichen,“ erklärt er und stellt die Frage: „Wo wächst Kirche hin?“